
Zwischen Natur und Geschichte: Zehn deutsche UNESCO-Welterbestätten
Weltweit stehen mehr als 1.200 Kultur- und Naturstätten unter dem Schutz des UNESCO-Welterbekomitees, das besondere Orte mit außergewöhnlichem Wert auszeichnet. Auch Deutschland ist mit zahlreichen Einträgen auf der UNESCO-Liste vertreten. Von uralten Wäldern über beeindruckende Städte bis hin zu prunkvollen Schlössern: Welche deutschen Orte Kultur und Geschichte erlebbar machen, zeigt unsere Reise durch zehn Welterbestätten.
Alte Buchenwälder auf Rügen
Wer Ruhe, Natur und Ursprünglichkeit sucht, wird in den alten Buchenwäldern fündig. Das Weltnaturerbe verteilt sich auf mehrere Regionen in Deutschland, darunter Hessen, Brandenburg, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Besonders bekannt ist der 500 Hektar große Nationalpark „Jasmund“ auf Rügen mit seinen mächtigen Bäumen und spektakulären Kreidefelsen. Besucherzentren, Wanderwege und geführte Touren machen die Buchenwälder zu einem idealen Ausflugsziel für Naturfans.
Historischer Stadtkern von Quedlinburg
Als eines der größten Flächendenkmälern Deutschlands wirkt die Stadt Quedlinburg wie ein großes Freilichtmuseum. Über 2.000 Fachwerkhäuser prägen die Altstadt und ziehen sich durch ein mittelalterliches Gassengewirr und kleine Plätze. Eins steht fest: Wer durch Quedlinburg spaziert, reist ganz nebenbei durch mehrere Jahrhunderte.
Prähistorische Pfahlbauten in Konstanz
Die prähistorischen Pfahlbauten sind rund um einige Seen im Alpenraum, beispielsweise in Konstanz am Bodensee, zu finden und führen weit in die Geschichte zurück. Sie gelten als bis zu 7.000 Jahre alt und sind Überreste früherer Siedlungen, viele davon heute unter Wasser verborgen. Die Fundstellen liefern eine Idee davon, wie das Leben damals ausgesehen haben könnte und gibt damit einzigartige Einblicke in den Alltag, die Landwirtschaft und die Viehzucht der früheren Bauern. Besonders spannend: Hierbei handelt es sich um das erste im Wasser liegende archäologische Welterbe.
Speicherstadt und Kontorhausviertel in Hamburg
Backstein, Kanäle und maritime Geschichte: Die Speicherstadt in Hamburg gehört mit dem angrenzenden Kontorhausviertel seit 2015 zum UNESCO-Welterbe. Das Ensemble ist ein steingewordenes Zeugnis der Entwicklung und der Komplexität des weltweiten Handels um die Jahrhundertwende und auch das größte seiner Art. Das von Fritz Höger errichtete Chilehaus, ein spitz zulaufendes Gebäude, stellt das architektonische Highlight dar.
Luthergedenkstätte in Wittenberg und Eisleben
Im Gegensatz zu der Speicherstadt wurden die Luthergedenkstätten nicht wegen architektonischer Raffinesse, sondern aufgrund des historisch wertvollen Beitrags zum Welterbe erklärt. Sie sind in Wittenberg und Eisleben zu finden und gelten als Orte entscheidender Ereignisse der Reformation. Wer die Orte besucht, taucht demnach ein in eine Epoche, die Religion, Politik und Gesellschaft neu geprägt hat – und deren Auswirkungen bis heute spürbar sind.


Klosterinsel Reichenau
Mitten im Bodensee liegt die kleine Insel Reichenau. Trotz ihrer überschaubaren Größe war sie im Mittelalter ein bedeutendes religiöses und kulturelles Zentrum. Teil des Welterbes ist allerdings nicht die ganze Insel, sondern die drei Kirchen, die dort stehen. Ihre gut erhaltenen Wandmalereien zeugen vom künstlerischen Reichtum der Reichenau. Während der religiösen Feste und Prozessionen werden die klösterlichen Traditionen noch heute für Besucher erlebbar.
Historisches Bamberg
In dieser Stadt befindet sich eine der schönsten Altstädte Deutschlands. Über fast tausend Jahre lang war Bamberg ein wichtiges Machtzentrum und galt lange Zeit als das „zweite Rom“. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt in Franken kaum zerstört, weswegen sie es als größte unversehrt erhaltene Altstadt in Deutschland auf die UNESCO-Liste schaffte. Die drei historischen Stadtteile – Bergstadt, Inselstadt und Gärtnerstadt – machen das bayrische Bamberg zu einem perfekten Ziel für Kultur- und Städtefans.
Völklinger Hütte im Saarland
Der Name klingt bescheiden, doch eine normale „Hütte“ ist dieses Welterbe ganz sicher nicht. Stattdessen erwartet Besucher ein gewaltiger Industriekomplex aus Stahl, Röhren und Hochöfen. Die Anlage im Saarland ist die weltweit einzige vollständig erhaltene Eisenhütte aus der Blütezeit der Industrialisierung. Beim Rundgang durch das Gelände wird deutlich, welche Dimensionen die Eisen- und Stahlproduktion einst hatte und wie sehr sie das Leben ganzer Regionen prägte. Heute ist das Werk ein Ort für Ausstellungen, Kulturveranstaltungen und spannende Entdeckungstouren.
Oberes Mittelrheintal
Kaum eine Landschaft in Deutschland ist so romantisch wie das Obere Mittelrheintal. Zwischen Bingen, Rüdesheim und Koblenz schlängelt sich der Rhein durch steile Weinberge, vorbei an Burgen und kleinen Orten. Die organisch entwickelte Kulturlandschaft ist aufgrund ihres außergewöhnlichen Reichtums an kulturellen Zeugnissen seit 2002 auf der Welterbeliste und ein eindrückliches Beispiel für die Fortentwicklung einer traditionellen Lebensweise und der Kommunikationswege in einem engen Flusstal.
Schlösser Augustusburg und Falkenlust
In Brühl stehen zwei der schönsten Barock- und Rokokobauten Deutschlands: Das Schloss Augustusburg und das Jagdschloss Falkenlust. Seit 1984 stehen sie als Vorbild für eine Vielzahl deutscher Fürstenhöfe auf der Liste der UNESCO-Welterbestätten und zeigen einen vor ihrer Zeit nie dagewesenen Reichtum an europäischer Architektur und Kunst. Die weitläufigen Gärten und die Verbindung der beiden Schlösser durch eine Allee machen den Besuch zu einem echten Erlebnis - ideal für einen Tagesausflug.

